Mangelnder Selbstwert?
Du kannst was dagegen tun


Diese 5 Sätze schwächen dein Selbstbewusstsein mehr, als du denkst
Worte haben Macht. Das ist keine neue Erkenntnis. Wir passen penibel darauf auf, was wir zu unseren Kunden, unseren Partnern oder unseren Kindern sagen, um sie nicht zu verletzen oder zu demotivieren. Doch wie sieht es mit den Worten aus, die wir tagtäglich an uns selbst richten? Oder den Sätzen, die wir im Alltag scheinbar beiläufig im Gespräch mit anderen fallen lassen?
Die Psychologie zeigt: Unser Gehirn hört uns beim Denken und Sprechen zu. Wenn du immer wieder bestimmte Phrasen wiederholst, formen diese Sätze im Laufe der Zeit deine neuronale Architektur. Sie werden zu tief sitzenden Glaubenssätzen.
Das Gefährliche daran: Die zerstörerischsten Sätze kommen oft ganz leise und unscheinbar daher. Sie tarnen sich als Bescheidenheit, Höflichkeit oder Realismus. In Wahrheit sind sie jedoch absolute Selbstwert-Killer.
Hier sind die fünf Sätze, mit denen du dein Selbstbewusstsein unbemerkt sabtierst – und wie du sie ab heute ersetzt.
1. „Das war doch nur Glück / kein Ding.“ (Die Entwertung deiner Leistung)
Wann du es sagst: Jemand macht dir ein ehrliches Kompliment für ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt, ein tolles Essen oder dein Aussehen. Statt „Danke“ zu sagen, wiegelst du sofort ab.
Was im Hintergrund passiert: Mit diesem Satz schiebst du die Verantwortung für deinen Erfolg von dir weg nach außen. Du sagst deinem Unterbewusstsein: „Ich selbst bin eigentlich nicht kompetent genug, es waren nur die Umstände.“ Auf Dauer entsteht so das berüchtigte Imposter-Syndrom (die Angst, als Hochstapler entlarvt zu werden).
Die selbstbewusste Alternative: Nimm den Raum ein. Ein einfaches, lächelndes „Danke, ich habe mir auch viel Mühe gegeben“ oder „Vielen Dank, das freut mich sehr zu hören“ reicht völlig. Du darfst stolz auf das sein, was du erschaffen hast.
2. „Ich muss nur noch kurz...“ (Der Stress-Verstärker)
Wann du es sagst: Wenn du eigentlich Feierabend machen willst, eine Pause brauchst oder dich jemand bittet, noch eine Aufgabe zu übernehmen. „Ich muss nur noch kurz die Mails checken...“
Was im Hintergrund passiert: Das Wort „müssen“ signalisiert deinem Gehirn permanenten Zwang und Fremdbestimmung. Es erzeugt biochemisch Stress (Cortisol). Gepaart mit dem Wort „nur noch kurz“ verharmlost du deine eigene Überlastung und stellst die Prioritäten anderer über deine eigene Gesundheit. Du trainierst dich darauf, im Dauer-Aktivitätsmodus zu sein, um deinen Wert zu beweisen.
Die selbstbewusste Alternative: Hol dir die Selbstbestimmung zurück. Ersetze „müssen“ durch „wollen“ oder „entscheiden“. Sag stattdessen: „Ich entscheide mich, das morgen früh als Erstes zu machen“ oder „Ich mache jetzt Feierabend und kümmere mich am Montag darum.“
3. „Das kann ich einfach nicht.“ (Die selbst erfüllende Prophezeiung)
Wann du es sagst: Vor einer neuen Herausforderung, einer technischen Hürde oder wenn du eine neue Fähigkeit erlernen sollst.
What im Hintergrund passiert: Dieser Satz zieht eine feste, unumstößliche Mauer in deinem Kopf hoch. Er zementiert den Ist-Zustand als ewiges Schicksal. Dein Gehirn schaltet sofort in den Energiesparmodus – warum sollte es sich auch anstrengen, nach Lösungen zu suchen, wenn das Urteil „kann ich nicht“ schon gefällt ist? Es nimmt dir jegliche Handlungsfähigkeit (Selbstwirksamkeit).
Die selbstbewusste Alternative: Nutze die Macht des kleinen Wortes „noch“. Sag: „Ich kann das noch nicht, aber ich kann es lernen.“ Das öffnet die Tür für Wachstum, Neugier und gibt deinem Selbstvertrauen den nötigen Spielraum.
4. „Es tut mir leid, aber...“ (Die chronische Entschuldigung)
Wann du es sagst: Du leitest eine E-Mail ein, weil du eine Frage hast. Du entschuldigst dich, weil du im Raum Platz einnimmst, eine andere Meinung vertrittst oder eine berechtigte Rückfrage im Meeting hast.
Was im Hintergrund passiert: Wer sich ständig grundlos entschuldigt, signalisiert der Welt (und sich selbst): „Entschuldigung, dass ich existiere und Raum einnehme.“ Du machst dich klein, noch bevor du dein eigentliches Anliegen vorgebracht hast. Das schwächt deine Souveränität massiv und lädt andere unbewusst dazu ein, deine Grenzen weniger zu respektieren.
Die selbstbewusste Alternative: Unterscheide zwischen echter Schuld und bloßer Präsenz. Statt „Tut mir leid wegen der späten Rückmeldung“, sag lieber: „Danke für deine Geduld.“ Statt „Tut mir leid, darf ich kurz was fragen?“, sag: „Ich habe dazu eine Frage.“ Verwandle Entschuldigungen in Akte der Wertschätzung oder der Klarheit.
5. „Ich bin halt einfach so.“ (Die Komfortzonen-Lüge)
Wann du es sagst: Wenn es darum geht, Verhaltensweisen zu ändern, die dich unglücklich machen (z.B. Schüchternheit, Aufschieben, Impulsivität). „Ich bin halt einfach unsicher/chaotisch.“
Was im Hintergrund passiert: Du verwechselst ein aktuelles Verhalten mit deiner Identität. Damit nimmst du dir selbst jede Verantwortung und die Macht zur Veränderung. Es ist die ultimative Ausrede deiner Angst, um dich in der ungemütlichen Komfortzone gefangen zu halten.
Die selbstbewusste Alternative: Trenne dein Verhalten von deinem Kern. Sag stattdessen: „In der Vergangenheit habe ich in solchen Situationen oft unsicher reagiert, aber ich lerne gerade, mutiger aufzutreten.“ Du bist kein fertiges Produkt, sondern eine Baustelle im positivsten Sinne.
Fazit: Beginne mit deiner inneren Sprachdiät
Dein Selbstbewusstsein verändert sich nicht durch radikale, einmalige Aktionen, sondern durch die Summe deiner täglichen Gewohnheiten. Und deine Sprache ist die mächtigste Gewohnheit von allen.
Achte in den nächsten drei Tagen ganz bewusst darauf, wie oft diese fünf Sätze über deine Lippen oder durch deine Gedanken wandern. Ertappe dich, korrigiere dich laut oder leise im Kopf und spüre, wie sich allein durch das Verändern der Worte deine innere Haltung verschiebt. Du bist es wert, dass du gut über dich sprichst.
Sylvia Wichmann
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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