Der Workaholic-Teufelskreis
Wenn Arbeit zur Allesverschlingenden Kraft wird
11/1/20243 min read


In unserer modernen, leistungsorientierten Welt ist das Bild des "Workaholics" beinahe glorifiziert – jemand, der unermüdlich arbeitet und immer für den Job brennt. Doch die Realität sieht oft weniger rosig aus: Menschen, die in diesen Zustand geraten, funktionieren in der Arbeit perfekt, doch im Privaten bleibt wenig bis gar keine Energie übrig. Familie, Freunde und persönliche Interessen bleiben oft auf der Strecke, weil die Arbeit alle Kraft beansprucht. Doch wie kommt es zu diesem Zustand, und noch wichtiger: Wie kann man ihn durchbrechen?
Der Druck von innen und außen
Die Ursachen für Workaholismus sind vielschichtig. Oft spielt ein innerer Antrieb eine große Rolle – ein überhöhtes Verantwortungsbewusstsein und der Wunsch, es allen recht zu machen. Man möchte seine Aufgaben nicht nur erledigen, sondern oft besser und schneller als erwartet. Manchmal kommen diese hohen Ansprüche aber auch von außen: Ein fordernder Vorgesetzter, hohe Erwartungen in der Branche oder gar die sozialen Medien, die ein Bild vom "perfekten Mitarbeiter" zeichnen. Der Wunsch nach Anerkennung und Erfolg führt dazu, dass die eigene Leistung fast zur einzigen Quelle für Selbstwert wird.
Die Herausforderungen eines Workaholics
Ein Workaholic steckt in einer nahezu unlösbaren Falle: Er funktioniert in seinem Job hervorragend und wird für seine Leistungen meist sogar gelobt oder belohnt. Doch diese Anerkennung verschleiert oft die Schattenseiten des Workaholismus:
Emotionale Erschöpfung: Durch den konstanten Stresslevel fehlen einem Workaholic nach Feierabend oft die Energie und die Motivation für persönliche Interessen.
Vernachlässigung sozialer Beziehungen: Weil Arbeit und Verpflichtungen im Vordergrund stehen, leiden Beziehungen zu Freunden und Familie – manchmal, ohne dass man es selbst bemerkt.
Gesundheitliche Folgen: Überlastung wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus. Workaholics sind häufig anfälliger für Schlafprobleme, Depressionen, Bluthochdruck und andere Stresskrankheiten.
Warum dieses übermäßige Verantwortungsbewusstsein?
Aber warum tragen viele Menschen diesen Drang, immer zu funktionieren, in sich? Häufig ist es eine Mischung aus Persönlichkeitsmerkmalen, erlerntem Verhalten und gesellschaftlichen Einflüssen. Einige Menschen wachsen in einem Umfeld auf, in dem Leistung der primäre Maßstab für Anerkennung ist. Andere entwickeln in einer stark wettbewerbsorientierten Umgebung den Glauben, dass nur harte Arbeit sie wertvoll macht. Hinzu kommt, dass die heutige Kultur oft Erfolg an übermäßigem Einsatz misst. "Hustle-Kultur" oder der "Grind" werden fast schon als Ideal dargestellt.
Aber wie aus der Workaholic-Spirale aussteigen?
Realistische Ziele setzen: Viele Workaholics neigen dazu, sich selbst und anderen gegenüber unermesslich hohe Standards zu setzen. Kläre für dich selbst, welche Ziele wirklich realistisch und sinnvoll sind, und prüfe, ob manche Aufgaben wirklich so viel Zeit erfordern, wie du glaubst.
Lerne „Nein“ zu sagen: Ein wichtiger Schritt ist es, Grenzen zu setzen. Es mag anfangs schwer fallen, da du den Eindruck hast, dass du im Stich lässt, was von dir erwartet wird. Aber ein klares "Nein" schützt deine Ressourcen und erlaubt dir, deine Energie zu bewahren.
Arbeitszeiten definieren: Versuche, feste Arbeitszeiten einzuhalten, und halte diese nach Möglichkeit auch ein. Schaffe feste Rituale, die dir signalisieren, dass der Arbeitstag vorbei ist – ob es ein kurzer Spaziergang ist oder das Ausschalten des Computers.
Priorisiere Erholung: Nimm dir regelmäßig Pausen und plane Freizeitaktivitäten ein, die dir wirklich Freude bereiten. Auch Erholung braucht Zeit, um Körper und Geist von den Arbeitsbelastungen zu regenerieren.
Übe Selbstmitgefühl: Workaholics gehen oft sehr hart mit sich selbst ins Gericht, wenn sie vermeintlich „versagen“. Doch niemand ist unfehlbar – und Perfektion ist nicht immer notwendig. Versuche, dir selbst gegenüber genauso verständnisvoll zu sein, wie du es für andere wärst.
Finde eine alternative Anerkennungsquelle: Beschäftige dich mit Hobbys oder gemeinnützigen Tätigkeiten, die dir Freude und Sinn geben, unabhängig von beruflichem Erfolg.
Sprich mit anderen: Der Austausch mit Freunden, der Familie oder einem Therapeuten kann oft helfen, den eigenen Blickwinkel zu erweitern und neue Strategien zu entwickeln.
Arbeit und Leben in Balance bringen
Workaholics leisten oft Großes, doch der Preis dafür ist hoch. Es ist eine Herausforderung, den eigenen Selbstwert von der Arbeit zu entkoppeln und zu erkennen, dass persönlicher Erfolg sich nicht nur in beruflichen Leistungen widerspiegelt. Der Weg aus der Workaholic-Spirale verlangt Mut, Geduld und Selbstakzeptanz – doch er lohnt sich. Letztendlich ist es möglich, die Balance zwischen Arbeit und Leben zu finden, ohne dass eines das andere beherrschen muss
Sylvia Wichmann
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Mail: s.wichmann@psychologische-beratung-list.de
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